Wappen der Marktgemeinde Weyer

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Naturschutzgebiet Kreuzberg

Der Kreuzberg in Weyer ist ein bewaldeter Höhenrücken in den nördl. Kalkalpen, der sich unmittelbar nordwestlich des Ortes Weyer a.d. Enns als Ausläufer des Stubauerberges erhebt.

GESCHICHTLICHES
Eine Sage kündet, dass einstens dort, wo man später die drei Kreuze errichtete, eine Statue der römischen Göttin Venus aufgestellt war. Daher stammt der ursprüngliche Name  Venus- oder Markt-holzberg. In früheren Jahrhunderten hatten Einsiedler dort ihre Einsiedeleien errichtet, wovon auch der Name „Einsiedlerboden“ Zeugnis gibt. Seinen endgültigen Namen erhielt der Berg durch einen Kreuzweg, von dem die Kreuzigungsgruppe in 623 m Seehöhe noch erhalten ist. 1868 wurden diese bemalten, überlebensgroßen Blechschnittfiguren von Josef Gabriel Frey geschaffen und stellen Christus, Maria, Magdalena, Johannes Evangelist und die beiden Schächer dar. Mit der Zeit schwand jedoch die Bedeutung des Kreuzberges als frommes Wallfahrtsziel immer mehr. Nach und nach verschwanden auch die auf Blech gemalten Bilder der einzelnen Kreuzwegstationen.

GRABUNG DER ERSTEN WANDERWEGE

Die Erschließung des Kreuzberges durch leicht begehbare Promenadenwege stellte sich der 1885 gegründete „Verschönerungsverein Weyer“  unter seinem tatkräftigen Vorstand Notar Friedrich Schmeidel   zur Aufgabe. Noch im gleichen Jahr wurden mit Zustimmung des Grundbesitzers, der Agrargemeinschaft Weyer (früher Marktkommune) durch 6-8 Deichgräber die Wege angelegt. Der Bau der Kronprinz-Rudolfbahn, Eröffnung 1872, verband plötzlich Weyer täglich mit der Kaiser- und Residenzstadt Wien sowie weiter durch das Gesäuse mit dem steir. Ennstal. Das später errichtete Schwimm- und Sonnenbad Weyer dokumentiert ebenso wie die wunderschönen Kreuzberganlagen die Bemühungen um die Aktivierung des Fremdenverkehrs. Mit  über 16 km Länge stellen diese Wege auch heute noch die längsten, künstlich geschaffenen, mit Waldboden versehenen, ganzjährig benutzbaren, staubfreien Wanderanlagen Oberösterreichs, wenn nicht von ganz Österreich dar. Milde Winter, jährlich viele Sonnentage, (in Weyer werden pro Jahr mehrmals die höchsten Tagestemperaturen Österreichs verzeichnet) und die häufig feststellbare Nebelfreiheit  bilden beste klimatische Voraussetzungen für einen Aufenthalt in diesem Luftkurort.

VERWAHRLOSUNG UND RESTAURIERUNG
Die große Verarmung der Bevölkerung nach dem 1. Weltkrieg, der Verlust der zahlreichen Urlauber und die Aufteilung der Monarchie in verschiedene Staaten, später auch die Zonengrenze brachte den Fremdenverkehr in unserer Gegend fast zum Erliegen. Leider wurden während und nach den beiden Kriegen die schönen Wanderwege noch durch das früher streng verbotene Holzziehen von befugter, als auch von unbefugter Seite schwer beschädigt und mangels nötiger Pflege durch Jungwälder überwachsen oder durch gefallene Bäume zerstört. Beschilderungsfragmente konnten die Orientierung ortsunkundiger  Wanderer nicht mehr gewährleisten.

Um 1970 fanden sich plötzlich Weyerinnen und Weyrer, die einzeln oder in kleinen Gruppen versuchten, die Wege wieder begehbar zu machen. Eine Holzsäule beim Kreuzbergaufgang Walcherberger, nach dem Hause der Familie Egger, erinnert noch an diese Pionierzeit: „Adolf Seifert, Josef Pilsl, Roland Ehm, Rudolf Watzinger danken wir für die Rettung und Erhaltung unserer Kreuzberganlagen – Kurkommission Weyer 1974.

Das war  so ungefähr der urkundliche Beginn der Renovierungsarbeiten. Die Runde der als  „Kreuzbergritter- und –ritterinnen“  liebevoll bezeichneten freiwilligen Anlagenpfleger wurde gottlob größer und die ersten Renovierungserfolge waren feststellbar.

GEFÄHRDUNG DER GESAMTEN ANLAGEN
Plötzlich tauchten  2 Gewitterwolken auf, welche das engagierte Beginnen der Renovierungsarbeiten stark ins Wanken brachten. Markierungsstipfel der geplanten Ortsumfahrung waren auf der Höhe Thürbauer ersichtlich, neben, über oder unter den Kreuzbergwegen, fest in den Boden gerammt.

Der Grundbesitzer, die  Agrargemeinschaft, plante, die Holzbestände am Kreuzberg durch eine neue Forststraße zu erschließen.

UNTERNATURSCHUTZSTELLUNG
Sollten die Gratisarbeiten der letzten Jahre vergeblich gewesen sein? In diesen Jahren erfuhren wir, dass die Kreuzberganlagen keinen öffentlichen Schutz genossen hatten und daher von den beiden Straßenbauprojekten stark bedroht wurden. Intensivste Bemühungen von Herrn Dr. Herbert Hofer führten am 23. Nov. 1981 dazu, dass das Land Oberösterreich 48 ha am Kreuzberg als Naturschutzgebiet Kreuzberg-Weyer erklärten.  Landesrat Dr. Grünner erklärte bei diesem Anlaß: „Der Kreuzberg in Weyer ist keineswegs ein den Besuchern verschlossenes Reservat, sondern ein außerordentlich schönes Gebiet für Wanderer, Familien mit Kindern und Erholungssuchenden“.

GRÜNDUNG EINES TRÄGERVEREINES
Die regelmäßig ansteigende Zahl der Kreuzbergritter führte auch zu einer Steigerung des Material- als auch des bescheidenen Verpflegungsaufwandes. Die damals zuständige Kurkommission war mit nur geringen, finanziellen Mitteln ausgestattet , sodaß die Erlangung von Zuschüssen nur auf dem be- schwerlichen, oft umständlichen und langsamen Amtswege möglich war.

So war die am Freitag, dem 19. Jänner 1990, erfolgte Gründung der „Interessentengemeinschaft zur Erhaltung des Naturschutzgebietes Kreuzberg“ nur eine logische Folge aus den  oben beschriebenen Unzulänglichkeiten. Bis zum März 2009 leitete Herr Dr. Herbert Hofer mit einem engagierten Mitarbeiterstab die Geschicke dieses Vereines, bevor er aus gesundheitlichen Gründen leider zum Rücktritt gezwungen war, doch weiterhin als Ehrenpräsident in beratender Funktion zur Verfügung steht. Seit seiner Gründung konnte  sich der Verein infolge seines guten Rufes bei der Bevölkerung und bei seinen Gönnern, als auch durch die unübersehbare Leistung seiner fleißigen, ehrenamtlichen Helfer eine solide wirtschaftliche Basis aufbauen und auch die Anzahl der Kreuzbergritter erhöhte sich bis auf zuletzt 18 Personen, welche pro Jahr an die 1.300 Arbeitsstunden unentgeltlich leisten. An die viertausend Eintragungen jährlich (Ortsansässige werden sich nur vereinzelt eintragen) ins „Gipfelbuch“ bei den 3 Kreuzen dokumentieren die Beliebtheit dieses Ausflugszieles. Für Kinder ist der „Zwergerlwald“ mit den zahlreichen Holzschnitzfiguren angelegt worden.

An die 300 Mitglieder unterstützen die Arbeit des Vereines. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Jahr € 10, die Mitgliedschaft ist an keinerlei Formalitäten gebunden und kann jederzeit wieder beendet werden. Durch die Bezahlung eines Betrages von mindestens € 10 auf das Konto 5600000450 bei der Sparkasse Weyer (BLZ 20.320) wird man automatisch Mitglied dieses Vereines.

BESCHREIBUNG DES NATURSCHUTZGEBIETES
Geologisch besteht der Kreuzberg zum größten Teil aus Hauptdolomit, vereinzelt auch aus Wettersteinkalk. Das ausgewogene Klima fördert die Ausbildung von Mischwäldern, den sogenannten „montanen Schneerosen- Fichten- Tannen Buchenwäldern“. Die Vegetation des Kreuzberges wird durch diese natürliche, bisher kaum beeinflusste Waldgesellschaft bestimmt. Die Erhaltung dieses Waldcharakters ist einerseits der frühen Widmung als Erholungs- und Wandergebiet, andererseits dem Umstand zu verdanken, dass bereits im Jahre 1900 ein Teil zum Bannwald erklärt wurde.

Der naturnahe Charakter ist auch Voraussetzung für das Vorkommen vieler teilweise oder vollkommen geschützter Pflanzenarten, wie z.B. Zyklamen, Einbeere, Maiglöckchen, lorbeerblättriger Seidelbast und Salomonssiegel. Das vermehrte Vorkommen der Schneerose, einem der ersten Frühlingsboten jeden Jahres, ist typisch für das Gebiet der nördlichen Kalkalpen. Der Vegetation entsprich auch die arten-reiche Tierwelt des Kreuzberges. 

Oktober 2010
Dr. H. Hofer/G. Hönickl

Urlaub in Oberösterreich
Nationalpark Kalkalpen Region Ennstal & Steyrtal
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